Stuck und seine Wandlung im Laufe der Jahrhunderte

Stuckarbeiten hier eher in Richtung Kunst und Wohnungseinrichtung !

Stuckarbeiten hier eher in Richtung Kunst und Wohnungseinrichtung !

Stuck in seiner klassischen Form wird aus Gips, Wasser, Sand und Zementanteilen hergestellt. Schon in der Antike kannte man diese Form der Gestaltung von Wänden und Zierelementen, wobei die aufwendigen Reliefs, Rosetten, Gesimse, Dekore, Konsolen und vieles mehr mit den ursprünglichen Gipsgemischen und der Handarbeit heute unbezahlbar wären. Deshalb staunen die Besucher von Schlössern und Kirchen auch immer wieder, wenn sie diese einmalige „Handwerkskunst“ bewundern dürfen. Echter Stuck aus der Zeit des Barock oder Rokoko ist heute Kulturgut und wer einen alten Rahmen mit echten Stuckelementen besitzt, der darf sich über ein antikes Kunstwerk freuen. Besonders die verspielten Formen des Barocks und Rokoko sind filigrane Meisterstücke, an die sich heute in Handarbeit nur noch die Stuckateurmeister wagen, die sich mit der Restauration von altem Stuck beschäftigen. Diese Stuckateure benötigen aber weitaus mehr Hintergrundwissen, als es der „alltägliche“ Stuckateur besitzt. Architektur und Kunst sind Wissensgebiete, auf denen sich ein Restaurator, der mit Stuck umgeht, auskennen muss, um die Ausbesserung von kulturhistorisch wertvollem Stuck zu bewältigen.

Gründerzeit und Jugendstil Epoche waren ebenfalls dem Stuck sehr zugetan, noch heute geben Mieter und Käufer von Immobilien viel Geld für Wohnungen aus, in denen sich alte Stuckdecken oder Stuckleisten befinden. Die meist sehr hohen Räume wirken durch die Stuckverzierungen edel und elegant, selbst dann noch, wenn sie modern eingerichtet werden. In den 50er und 60er Jahren passte der „verschnörkelte“ Stuck nicht mehr in die zeitgemäße Architektur und wurde sogar als verunstaltend an den Hausfassaden empfunden. Besonders die mittelalterlichen „Fratzen“ wollte niemand mehr sehen. So wurde in großen Teilen des Landes der Stuck entfernt, deshalb spricht man heute auch von „Entstuckung“. Aber viele althergebrachte Handwerkskünste erleben ein Revival, so auch der Stuck. Es ist, wie mit vielen Dingen vergangener Tage, wenn sie erst einmal weg sind, dann will man sie wieder haben. Doch das ist in den meisten Fällen nur mit Einbußen möglich. In den 70er Jahren kam Stuck wieder in Mode, aber echter Stuck war zu teuer in der Herstellung, deswegen wurde Styropor als Alternative für die dekorativen Zwecke im Wohnraum eingesetzt. Heute besteht Stuck aus unterschiedlichen Materialien, deshalb ist der Begriff auch leicht irreführend.

So gibt es Hersteller, die, wie früher, im aufwendigen Gussverfahren Dekorobjekte aus Gipsgemisch und Beton herstellen, sogar im Internet finden sich Anbieter. Auch der versierte Stuckateur kann Stuckleisten von Hand an der Wand ziehen. Ansonsten findet der „echte“ Stuck in erster Linie für Restaurationsarbeiten wertvoller Stuckelemente und bei Fassadenstuck seinen Einsatz. Für die Innendekoration hat sich Polyurethan-Harz und schlagfestes Duromeren bewährt, das auch in Neubauten zur Stuckgestaltung mit Profilleisten verwendet wird.

Stuck ist immer auch eine Geschmackssache, denn wenn er sich in modernen Profilleisten zeigt, so ist das zwar zeitgemäß, passt aber nicht zu unserem ursprünglichen und eher romantisch, verspieltem Verständnis der plastischen Gipselemente vergangener Tage.

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